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Laktattest im Radsport: Ablauf und Aussagekraft der Stufendiagnostik

Laktattest im Radsport: Ablauf der Stufendiagnostik, was die Laktatkurve über die Schwelle verrät und wann sich eine Leistungsdiagnostik lohnt.

Rennrad auf einem Indoor-Rollentrainer in technischer Seitenansicht, dahinter eine Kurve mit deutlichem Knickpunkt

Der Laktattest ist die bekannteste Form der Leistungsdiagnostik im Radsport — und die am häufigsten überschätzte. Er liefert eine physiologisch begründete Schwelle, aber er beantwortet nicht die Frage, die viele mit ihm verbinden: wie gut jemand ist.

Was im Blut tatsächlich passiert

Laktat entsteht als Zwischenprodukt der Energiebereitstellung und wird laufend wieder abgebaut. Bei niedriger Belastung halten sich Bildung und Elimination die Waage; die Konzentration bleibt stabil. Steigt die Leistung, kippt dieses Gleichgewicht ab einem bestimmten Punkt — Laktat sammelt sich schneller an, als es verstoffwechselt werden kann.

Genau dieser Punkt ist gesucht. Er markiert grob die Grenze zwischen einer Belastung, die über eine Stunde haltbar ist, und einer, bei der eine Uhr läuft. In der Praxis wird er über verschiedene Modelle aus der Messkurve bestimmt, und die Modelle kommen nicht immer zum selben Ergebnis — ein Grund, Werte aus unterschiedlichen Laboren nicht direkt zu vergleichen.

Der Ablauf im Labor

Ein Stufentest folgt einem festen Schema. Auf einem Ergometer wird die Leistung in Stufen von drei bis fünf Minuten erhöht, meist in Schritten von 20 bis 40 Watt. Am Ende jeder Stufe wird ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen entnommen, parallel laufen Herzfrequenz und oft das subjektive Belastungsempfinden mit.

Der Test endet bei Ausbelastung, also wenn die vorgegebene Leistung nicht mehr gehalten werden kann. Aus den Wertepaaren aus Leistung und Laktatkonzentration entsteht die Kurve, aus der die Schwelle abgeleitet wird — zusammen mit den zugehörigen Herzfrequenzbereichen, die für die Steuerung im Alltag oft praktischer sind als Wattzahlen.

Wichtig für die Aussagekraft ist die Vorbereitung. Ein Test nach einer harten Trainingswoche liefert systematisch niedrigere Werte, weil die Glykogenspeicher geleert sind und weniger Laktat gebildet wird. Zwei ruhige Tage vorher und eine normale Kohlenhydratzufuhr sind keine Formalität, sondern Voraussetzung für vergleichbare Ergebnisse.

Stufentest und Spiroergometrie

Beide Verfahren werden oft in einem Atemzug genannt, messen aber Verschiedenes. Der Laktattest arbeitet über Blutwerte und bestimmt Schwellen. Die Spiroergometrie misst über eine Atemmaske den Sauerstoffverbrauch und die Kohlendioxidabgabe und liefert damit die maximale Sauerstoffaufnahme sowie die Verschiebung zwischen Fett- und Kohlenhydratverbrennung.

Für die Trainingssteuerung reicht meist das erste Verfahren. Interessant wird die Kombination, wenn die Frage nach der Verpflegungsstrategie im Wettkampf im Raum steht: Wer weiß, ab welcher Intensität sein Stoffwechsel überwiegend auf Kohlenhydrate umstellt, kann die Zufuhr pro Stunde daran ausrichten.

Was die Kurve über den Trainingszustand verrät

Nicht nur der Schwellenwert selbst ist aussagekräftig, sondern auch die Form der Kurve. Eine flach ansteigende Kurve, die erst spät steil wird, deutet auf einen gut entwickelten aeroben Stoffwechsel hin — der Körper arbeitet lange, bevor er in die Anhäufung kippt.

Eine früh steil ansteigende Kurve zeigt das Gegenteil: Der Übergang kommt abrupt, oft bei Fahrern mit ausgeprägter anaerober Kapazität und wenig Grundlagenumfang. Wer diese Kurvenform mitbringt, profitiert typischerweise stärker von langen Einheiten im niedrigen Bereich als von zusätzlicher Intensität.

Interessant wird der Vergleich zweier Tests über eine Saison. Verschiebt sich die gesamte Kurve nach rechts, ist die Leistungsfähigkeit gestiegen. Verändert sich stattdessen nur ihre Form, hat sich das Verhältnis der Stoffwechselwege verschoben — häufig das Ergebnis einer bewusst umgestellten Trainingsverteilung.

Was der Befund im Alltag verändert

Der praktische Nutzen eines Labortests liegt selten in der Schwellenzahl selbst — die liefert ein Feldtest ähnlich gut. Er liegt in den zugehörigen Herzfrequenzbereichen, die im Alltag oft praktischer sind als Wattvorgaben: auf einer welligen Strecke, bei der die Leistung ohnehin schwankt, oder auf einem Rad ohne Leistungsmesser.

Dazu kommt ein Nebenergebnis, das viele überrascht: Die Herzfrequenz an der Schwelle liegt bei den meisten deutlich niedriger, als die verbreitete Faustformel über das Lebensalter nahelegt. Wer jahrelang nach einer geschätzten Maximalfrequenz trainiert hat, korrigiert nach dem ersten Labortest oft alle Bereiche nach unten.

Was man vom Anbieter erfragen sollte

Die Ergebnisse verschiedener Labore lassen sich nur eingeschränkt vergleichen, weil das Protokoll selbst das Ergebnis mitbestimmt. Drei Fragen klären das vorab.

Erstens die Stufenlänge: Drei Minuten pro Stufe liefern andere Werte als fünf, weil Laktat Zeit braucht, um sich einzupendeln. Zweitens die Stufenhöhe: 20 Watt oder 40 Watt Sprünge verschieben, wo die Schwelle in der Kurve zu liegen scheint. Drittens das Auswertungsmodell — es gibt mehrere etablierte Verfahren, und sie kommen bei derselben Messreihe nicht zum selben Wert.

Für den Vergleich zweier Tests über eine Saison zählt vor allem, dass alle drei identisch bleiben. Ein Wechsel des Anbieters zwischen zwei Terminen macht die Differenz unbrauchbar, selbst wenn beide Labore sauber arbeiten.

Wann sich der Aufwand lohnt

Für die reine Trainingssteuerung liefert ein sauber gefahrener Feldtest ähnlich brauchbare Zonen zu deutlich geringeren Kosten. Der Laborwert lohnt in drei Fällen: wenn Feldtests wiederholt unplausible Ergebnisse liefern, wenn ein konkreter Wettkampf eine Verpflegungsstrategie erfordert, oder wenn gesundheitliche Fragen mitgeklärt werden sollen — viele Anbieter kombinieren die Diagnostik mit einer sportmedizinischen Untersuchung.

Was der Test nicht leistet, ist eine Prognose. Eine hohe Schwellenleistung sagt wenig darüber aus, wie jemand nach vier Stunden fährt, wie gut er sich zwischen harten Antritten erholt oder wie er mit Hitze zurechtkommt. Diese Eigenschaften entscheiden über den Ausgang langer Ausfahrten mindestens so stark wie die Zahl auf dem Befund.

Häufige Fragen

Was misst ein Laktattest genau?

Die Laktatkonzentration im Blut bei stufenweise steigender Belastung. Aus dem Verlauf dieser Werte wird abgeleitet, ab welcher Leistung die Laktatbildung die Elimination übersteigt — die anaerobe Schwelle.

Wie läuft ein Stufentest ab?

Auf einem Ergometer wird die Leistung in Stufen von meist drei bis fünf Minuten erhöht, typischerweise um 20 bis 40 Watt. Am Ende jeder Stufe wird ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen entnommen. Der Test endet bei Ausbelastung.

Was ist der Unterschied zur Spiroergometrie?

Die Spiroergometrie misst die Atemgase und liefert zusätzlich die maximale Sauerstoffaufnahme und den Punkt, an dem der Körper von Fett- auf Kohlenhydratverbrennung umstellt. Der Laktattest arbeitet über Blutwerte und ist günstiger, liefert aber kein Bild des Stoffwechsels.

Ist ein Laktattest genauer als ein FTP-Test?

Er misst eine andere Größe. Der FTP-Test schätzt die haltbare Leistung aus einem Feldtest, der Laktattest bestimmt eine physiologische Schwelle im Labor. Für die reine Trainingssteuerung reicht ein sauber gefahrener FTP-Test in der Regel aus.

Wie oft ist eine Leistungsdiagnostik sinnvoll?

Ein- bis zweimal pro Saison, sinnvollerweise am Ende der Grundlagenphase und vor dem Hauptwettkampf. Häufiger gemessen zeigt der Test überwiegend Tagesform, weil Ernährung, Schlaf und Vorbelastung die Laktatwerte spürbar verschieben.