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Training

Grundlagenausdauer: warum lockeres Fahren tatsächlich wirkt

Grundlagenausdauer auf dem Rennrad: welche Anpassungen im lockeren Bereich entstehen und warum die meisten zu schnell fahren.

Sehr lange gerade Straße in Fluchtperspektive über eine offene Ebene, mit einem kleinen Rennradfahrer in der Ferne

Die Grundlagenausdauer ist der am schlechtesten beleumundete Teil des Trainings: Sie dauert lang, fühlt sich nach wenig an und liefert keine beeindruckenden Zahlen. Genau deshalb wird sie am häufigsten falsch gefahren — nämlich zu schnell.

Was im lockeren Bereich tatsächlich passiert

Die Anpassungen in diesem Bereich sind strukturell und brauchen Zeit. Die Kapillardichte in der arbeitenden Muskulatur nimmt zu, wodurch mehr Blut je Zeiteinheit an den Muskelfasern vorbeikommt. Die Zahl und Größe der Mitochondrien steigt — jener Zellbestandteile, in denen die aerobe Energiegewinnung stattfindet. Und das Herz füllt sich bei niedriger Frequenz besser, was das Schlagvolumen erhöht.

Keine dieser Anpassungen lässt sich mit Intensität beschleunigen. Sie folgen der Zeit unter Belastung, nicht der Härte. Das ist der eigentliche Grund, warum lange lockere Einheiten unersetzbar sind: Ihr Reiz ist die Dauer.

Warum die meisten zu schnell fahren

Der Bereich liegt bei 56 bis 75 Prozent der Schwellenleistung. In der Praxis bedeutet das ein Tempo, bei dem ein zusammenhängendes Gespräch möglich ist. Wer dabei am Satzende Luft holen muss, fährt zu schnell.

Der Widerstand dagegen ist psychologischer Natur. Eine Einheit, die sich nicht anstrengend anfühlt, wirkt wie verschenkte Zeit — besonders wenn ein Radcomputer eine unspektakuläre Durchschnitts­leistung anzeigt. Die Folge ist ein schleichendes Anziehen des Tempos, bis die Einheit im mittleren Bereich landet: zu hart für Erholung, zu weich für einen Reiz.

Praktisch hilft eine Obergrenze statt eines Zielbereichs. Wer sich vornimmt, eine bestimmte Wattzahl oder Herzfrequenz nicht zu überschreiten, hält den Bereich zuverlässiger ein als jemand, der einen Korridor treffen will.

Ein praktischer Nebeneffekt der langen lockeren Einheit wird selten genannt: Sie ist die einzige Gelegenheit, Material und Verpflegung unter realistischen Bedingungen zu prüfen. Eine Sitzposition, die nach 90 Minuten noch angenehm ist, kann nach drei Stunden ein Problem sein — und genau diese Information bekommt man in keiner Intervalleinheit.

Woran man erkennt, dass es wirkt

Die Rückmeldung kommt nicht über die Grundlageneinheiten selbst, sondern über die harten. Wer eine Phase mit hohem Grundlagenanteil hinter sich hat, bemerkt zuerst, dass sich Intervalle leichter wiederholen lassen — die Leistung im fünften Intervall fällt weniger stark ab als vorher.

Ein zweiter Indikator ist die Herzfrequenz bei gegebener Leistung. Sinkt sie über Wochen bei gleichem Wattwert, hat das Herz-Kreislauf-System angepasst. Diese Beobachtung ist allerdings nur brauchbar, wenn die Bedingungen vergleichbar sind: Hitze, Schlafmangel und Koffein verschieben den Puls um mehrere Schläge, ohne dass sich am Trainingszustand etwas geändert hat.

Was kein brauchbarer Indikator ist: die Durchschnittsgeschwindigkeit einer Grundlageneinheit. Sie hängt von Wind, Strecke und Verkehr so stark ab, dass ein Vergleich über Wochen fast nur Rauschen liefert.

Dauer und Verteilung

Unter 90 Minuten greift der Reiz kaum. Der Nutzen wächst bis etwa drei bis vier Stunden; darüber steigt vor allem der Erholungsbedarf, ohne dass die Anpassung im gleichen Maß mitzieht.

Für die Verteilung über die Woche hat sich ein Verhältnis von etwa 80 zu 20 etabliert: vier Fünftel der Trainingszeit im lockeren Bereich, ein Fünftel hart. Das Verhältnis gilt unabhängig vom Gesamtumfang — bei vier Wochenstunden ebenso wie bei fünfzehn. Wer wenig Zeit hat, kürzt also nicht die Grundlage zugunsten der Intensität, sondern behält das Verhältnis und verkürzt beide Anteile.

Ein praktischer Einwand gegen diese Verteilung lautet, bei vier Wochenstunden bleibe für die Grundlage schlicht zu wenig übrig. Die Rechnung geht trotzdem auf: 80 Prozent von vier Stunden sind gut drei Stunden locker, verteilt auf zwei Einheiten, und dazu eine harte Einheit von rund fünfzig Minuten. Was dabei entfällt, ist nicht die Grundlage, sondern die Vorstellung, mit vier Stunden zusätzlich noch etwas anderes unterzubringen.

Wenn die Zeit nicht reicht

Der häufigste Einwand gegen den Grundlagenbereich ist der Zeitaufwand. Drei Stunden am Stück sind für viele nicht regelmäßig unterzubringen, und die naheliegende Reaktion ist, die Einheit zu verkürzen und dafür schneller zu fahren. Das tauscht die Wirkung genau gegen die aus, die man nicht wollte.

Die tragfähigere Anpassung ist, den Umfang aufzuteilen statt zu ersetzen. Zwei Einheiten von je 90 Minuten setzen zwar nicht denselben Reiz wie eine von drei Stunden — die letzte Stunde einer langen Ausfahrt ist physiologisch die wertvollste —, aber sie bleiben im richtigen Bereich. Eine auf 60 Minuten verkürzte und dafür hart gefahrene Einheit tut das nicht.

Wer nur an zwei Tagen der Woche fahren kann, sollte die längere der beiden Einheiten schützen und die kürzere für die Intensität nutzen. Das dreht die übliche Reihenfolge um, in der zuerst die lange Ausfahrt gestrichen wird, weil sie am meisten Zeit kostet.

Am Berg und auf der Rolle

Zwei Situationen machen den Bereich schwer einzuhalten. Am Anstieg steigt die nötige Leistung zwangsläufig; wer den Bereich halten will, muss langsamer fahren, als es sich richtig anfühlt, und braucht dafür eine ausreichend kleine Übersetzung.

Auf der Rolle fehlt die Kühlung. Der Puls klettert bei identischer Leistung höher, was bei Pulssteuerung dazu führt, dass die tatsächliche Leistung unbeabsichtigt sinkt. Wer indoor nach Herzfrequenz fährt, sollte diesen Versatz kennen — oder in dieser Umgebung nach Watt steuern.

Häufige Fragen

Wie langsam ist Grundlagenausdauer wirklich?

Etwa 56 bis 75 Prozent der Schwellenleistung. Praktisch heißt das: Ein zusammenhängendes Gespräch muss möglich sein, ohne dass die Atmung es unterbricht. Für viele Fahrer fühlt sich das erst zu langsam an.

Wie lang sollte eine Grundlageneinheit sein?

Mindestens 90 Minuten, damit der Reiz greift. Der Nutzen steigt bis etwa drei bis vier Stunden weiter an; darüber hinaus wächst vor allem der Erholungsbedarf.

Kann man Grundlagenausdauer auf der Rolle aufbauen?

Ja, mit einer Einschränkung: Ohne Fahrtwind steigt die Körpertemperatur, und der Puls klettert bei gleicher Leistung höher. Wer nach Puls steuert, landet dadurch unbeabsichtigt in einem zu niedrigen Wattbereich.

Wie viel Anteil sollte die Grundlage am Training haben?

Ungefähr 80 Prozent der Trainingszeit, unabhängig vom Gesamtumfang. Dieses Verhältnis stammt aus Beobachtungen an Ausdauersportlern und gilt für vier ebenso wie für fünfzehn Wochenstunden.